Programm

 

Programm des ersten Halbjahres 2022

   

Veranstaltungsort: Lettl-Museum, Zeuggasse 9                        

                                                                                                   

Mittwoch 19. Januar, 19:00 Uhr

Prof. Dr. Helmut Koopmann, Augsburg

   Goethes Werther ein Psychopath? –

                      Auguste Stolberg soll helfen.

Goethes Werther ist oft als Geschichte einer verfehlten Beziehung gelesen worden. Aber die unglückliche Liebesaffäre ist nicht Ursache einer inneren Zerstörung Werthers, sondern Teilstück einer seelischen Entgleisung, die ganz andere Gründe hat. Die Psychiatrie erkennt in Werthers Geschichte eine affektive Psychose bis hin zur Autoaggression. Die Diskussion über die Ursachen einer so tiefreichenden emotionalen Störung ist offen: es gibt mehrere kontroverse Erklärungen. Diskutiert wird heute vor allem die These der endogenen Depression.

Natürlich ist Werther ein wenig auch Goethe selbst. Der bringt sich nicht um, sondern sucht sich durch ein neues Liebesabenteuer zu befreien: in der Beziehung zu Auguste zu Stolberg. Doch Werther lässt ihn nicht los; Goethes Briefe an die Gräfin lassen sich lesen als eine Fortsetzung seines Romans – und als Ausdruck einer immer noch nicht bewältigten Lebenssituation. 

                                                          

                                                    

Mittwoch 16. Februar, 19:00 Uhr

Dr. Rolf Schmidt, Augsburg

      Vergessene Italienbücher

                     in Goethes Nachfolge

Die umfangreiche deutsche Italien- und Rom- Literatur, vor allem des 19. Jahrhunderts, verweist, wie nicht anders zu erwarten, immer wieder auf Goethes Italienische Reise. Zum großen Teil ist diese Literatur heute vergessen und wird nicht mehr gelesen, was nachvollziehbar ist.. Doch einige dieser „vergessenen“ Werke sind in bestimmter Hinsicht noch lesenswert. Der Referent wählt vier Bücher aus, die aus ver-schiedenen Gründen als Nachfolgewerke von Goethes Italienischer Reise von Interesse sein können.

 

 

Mittwoch 16. März, 19:00 Uhr

 

Prof. Dr. Christoph Wingertszahn, Düsseldorf

         Goethe und Großbritannien

Der Klassiker ist nie nach Großbritannien gereist. Aber seine Kenntnis englischer Literatur ist immens, und seine Äußerungen über britische Kultur sind zahlreich und im Grunde zustimmend. Goethe erlebte über einen langen Zeitraum das Inselreich als Ort einer blühenden Literaturszene und als führende, technologisch fortgeschrittene Handels- und Seemacht.

 

                                                                                                          

Mittwoch, 20. April, 19:00 Uhr

Prof. Dr. Peter Hofmann, Augsburg 

    Goethe als heimliches Vorbild

                    für den späten Karl May                                                    

Wenige Autoren sind schon zu Lebzeiten und danach so verhunzt worden wie Karl May (1842-1912). Der meistgelesene deutsche Dichter hat ein Werk von ozeanischen Ausmaßen hinterlassen, darunter neben den Reiseerzählungen und Fortsetzungsromanen ein Drama, Lyrik, philosophische Früh- und symbolistische Spätwerke. Sein letztes Buch ist eine unvollendete Autobiographie, die das eigene Leben in Kontrast zu Goethes „Dichtung und Wahrheit“ inszeniert. Also Goethe mit May lesen? May mit Goethe lesen? Das geht  nicht nur, sondern es hilft auch einen Autor der Jahrhundertwende zu entdecken, der an allen intellektuellen Trends seiner Zeit lesend und schreibend teilnahm. Seine Werke verschwinden allmählich aus den Jugendbuchecken der Händler und tauchen zunehmend dort auf, wo sie hingehören: bei den „Klassikern“. Kollegen wie Ernst Bloch, Carl Zuckmayer, Werner Bergengruen und Arno Schmidt wussten das schon immer.

        

 

Mittwoch 11. Mai, 19:00 Uhr        

Barbara Kiem, Freiburg,  (Vortrag)

Begleitet von

Jörg Stuttmann, Aystetten,  (Rezitation)

Johann Gottfried Herders

                        Betrachtungen zur Musik

Der Gelehrte und Pädagoge Johann Gottfried Herder, ein unermüdlicher Prediger der Humanität, gehört zu den großen geistigen Anregern des 18. Jahrhunderts; sein vielseitiges und ideenreiches Schrifttum blieb bis weit über sein Leben hinaus wirksam. Herders musikgeschichtliche Bedeutung wird stets in Zusammen-hang mit seinen Volksliedersammlungen und deren Wirkungsgeschichte gesehen. Weniger bekannt ist, dass sich Herder auch lebhaft an musikästhetischen Diskussionen seiner Zeit beteiligte – allerdings eher als Kritiker. Er beklagte, dass niemand sich um das Wichtigste kümmerte, wie nämlich der Ton als Ton auf die menschliche Seele wirke; keine der Theorien sei fähig, die Empfin-dungen zu erklären, die den Menschen beim Hören von Musik bewegen können. Ein Vortrag im Dialog mit Herder, lassen Sie sich überra-schen.