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Goethes Blick auf Augsburg

Bei unserer Beschäftigung mit Goethe, stoßen wir auch auf Momente in seinem Le-ben, die ihm Augsburg ins Bewußtsein rückten. Neben schriftlichen Nachweisen sei-ner Besuche in der Stadt, wissen wir auch von seinem Umgang mit Menschen aus Augsburg. Da wären zwei Männer zu nennen, mit denen sich Goethe etwas näher beschäftigt hat: Pius Alexander Wolff, ein Schauspieler und Karl Ludwig Giesecke, eine zunächchst obskure Perönlichkeit, aber später doch von wissenschaftlichem Rang.

 

Pius Alexander Wolff wurde 1872 als Sohn eines Buchhändlers geboren. Er war ge-bildet und seine Eltern hatten andere Berufe für ihn geplant, erst sollte er Geistlicher, dann Kaufmann werden, aber seine Neigungen lagen auf künstlerischem Gebiet. Ne-ben der schönen Literatur reizten ihn die Malerei, die Musik und die Schauspielerei, die er in Augsburg schon laienhaft bertrieb. Nach des Vaters Tod reiste er mit einem Brief seiner Mutter an Goethe nach Weimar, um sich dort zum Schauspieler ausbilden zu lassen. Unterwegs tat er sich mit einem anderen Augsburger namens Karl Franz Grüner zusammen und bede wurden von Goethe empfangen. Durch Goethes Wirken genoss das Weimarer Theater einen ausgezeichneten Ruf. Wolff war Goethes treues-ster Schüler und kein anderer von denen die Goethe für das Theater formte, erlangte die schauspielrische Bedeutung in Deutschland wie er. Goethe war über ihn des Lo-bes voll und ehrte ihn durch ein Gedicht, als Wolff an Goethes Geburtstag 1828 starb.

 

Karl Ludwig Giesecke, der andere Augsburger in Goethes Bewußtsein, erscheint zu-nächst als eine obskure Gestalt, zwar auch sehr begabt, jedoch unstet, Er hieß eigentlich Georg Johann Metzler, wurde in Augsburg 1761 geboren und starb 1833 in Dub-lin. Nach dem Jura- und Mineralogiestudim war er Dichter, Überstzer, Schauspieler, Tänzer, Dramturg, Theaterjournalist, Abenteurer, Hochstapler, Betrüger, Mineralien-händler. Später aber galt er in der Mineralogie als ein Gelehrter von europäischem Rang. Weiterhin war er Forschungstreisender und Polarforscher. Er war Mitglied bei der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften in Uppsala, allerdigs durch einen falschen Doktortitel. Er schaffte es bis zum Professor für Mineralogie an der Univer-sität Dublin. Mit Goethe stand Giesecke über Jahre in Briefkontakt, vermittelt durch das K.K Mineralienkabinett in Wien und tauschte mit ihm wissenschaftliche Ergeb-nisse und Materialien aus. Giesecke war schon eine außergewöhnliche Persönlichkeit.

 

Goethes Besuche in Augsburg

Es sind unvollständige Notizen Goethes, denen wir etwas über seinen kurzen Aufent-halt in Augsburg entnehmen. Am ehemaligen Gasthof “Zum Weißen Lamm“, wo er wahrscheinlich während seiner zweiten Italienreise wohnte, nennt eine Tafel an der Wand das Datum 16. bis 19. März 1790. Ein Schriftstück, das zu dieser Reise gehört,

 

wird durch Urkunden des Augsburger Stadtarchivs belegt. Danach nahm Goethe an einer Totenfeier für den am 20. Februar 1790 verstorbenen Kaiser Joseph im Augsburger Dom teil. Goethes schwer zu lesende Notiz darüber lautet (WA I, 32, S. 491):

Aber die Krone mit Flor behangen auf samtkissen die Wappen der Reiche und Pro-vinzen auf Pappe gemahlt die vielen Lichter Leuchter Silber und Umstände [?] ha-ben mir in Einem Augenblick ein tieferes Gefühl gegeben Seiner Würde Seines Stan-des seines Schicksals seienr unglücklichen Willkhür und mächtigkeit als mir durch keine Worte hätten können eingeprägt [?] werden.

Überhaupt ich fühle wieder hier daß es kein besserer Zustand ist als ein Heide der unter Katholiken wohnt.

besonders wenn ich eine Spur von Jesuiten habe wird mirs gleich wohl. Nicht weil ich selbst die Menschen gern zum Besteen habe sondern weil ich das größte auf In-stinckt, Kenntnis, Bedürfniß, Leben, Lust Behagen gegründete Talent erkenne die Menschen zum Besten zu haben. Was einer für eine Kunst treibt ist mir gleich, nur muß er Meister seyn diese wahren Meister und wer nicht thut wie sie wird nicht Mei-ster seyn.

 

Ich werde noch einige Tage in Augsburg bleiben denn es kommt mir hier der Wohlge-ruch der Freyheit, das heißt der größten. Constitutionellen Eingeschräncktheit ent-gegen.

 

Nur eine Prommenade durch die Fleischbänke.

 

Auch der folgende Text gehört wahrscheinlich zu Notizen zur zweiten italienischen Reise. Die Außenwände von denen die Rede ist, gehören zum alten Gebäude des heu- te noch existierenden Gasthauses Bauerntanz in der Augsburger Altstadt. (WA I, 32, S.492)

Ich halte es für einen glüklichen Stand [?] wer Heilige [?] an den außen wänden mahlen konnte und wollte. Sein verloschnes Bild ist auch mir lieber als Mensch, als ein ganzes Lokal [?] mit konservierten Gemälden die Fröhlichkeit und Freyheit ver-gleicht sich mit nichts und um ein Haar so konnte ein reiner Geschmack dennoch [? dadurch ?] befriedigt [?] seyn. Der Teufel hole den Geschmack der ernst und traurig ist.

 

Augsburg dagegen im Sonnenschein.

Danksagung